Hufwachstum   

Das ist ein Erfahrungsbericht über den langfristigen Versuch mein Pony auf Barhuf umzustellen

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(neuester Stand)

Der Hintergrund: Im Juni 2016 wurde mein Pony Casanova vorne links “vernagelt”. Der innere vordere Nagel und die beiden äußer

en vorderen Nägel haben ihm Schmerzen bereitet, wobei der innere 1 Tag nach dem Beschlagen, die äußeren jedoch erst 8-9 Tage nach dem Beschlagen entfernt wurden.

In Folge lahmte er stark, entzündeten sich die Nagellöcher, der vorgenommene orthopädische Beschlag flog auf der Koppel weg und an Beschlagen war erst mal nicht mehr zu denken. Ich brauchte dringend einen Hufschutz für die Koppel und zum Ausreiten.

Ich beschloss langfristig auf Barhuf umzustellen. Suchte einen Hufpfleger der sich mit Barhuf und Hufschuhen auskannte und kaufte ein paar “Equine fusion all terrain” (EQFU) Joggingschuhe. Der Hufpfleger meinte noch mein Pony hat “Zwanghufe” und er kennt keine üblichen Hufschuhe die hier passen und halten. Der EQFU war eine Alternative und hat auch sehr geholfen. Habe dann zu Hause im Internet nachgeschlagen was Zwanghufe sind: Mein Pony hat beim besten Willen keine. Zwanghuf nennt man einen Huf, wenn der Strahl, bildlich gesprochen, durch die zu engen Seitenwände gequetscht wird. und nicht, wie jemand in einem Kommentar zu meinem Facebook-Post geschrieben hat:  "Also ein Trachtenzwang entsteht durch einen schwachen Strahl u. Strahlkissen, nicht umgekehrt."

 

Wikipedia:

Eine Ursache von Zwanghufen ist Vernachlässigung. Wenn der Huf zu lang wird, bei Pferden, die auf Untergrund gehalten werden, der für zu wenig Hornabrieb sorgt, dann neigt die hohe Hornwand dazu instabil zu werden. In einigen Fällen biegt sie sich nach außen, beim Zwanghuf biegt sie sich nach innen. Eine steile Hufstellung begünstigt die Bildung von Zwanghufen, eine flache hingegen die Bildung von untergeschobenen Trachten. Auch durch fehlerhaften Hufbeschlag mit zu engen Eisen können die Hufe enger werden. Die Eisen müssen hinten so weit sein, dass der vom Hufmechanismus geweitete Huf auf dem Eisen Platz hat.

 

Dann gibt es noch untergeschobenen Trachten - das ist wenn die Trachten nicht parallel zur Zehe wachsen sondern flacher und weiter nach vorne - hat er auch nicht wirklich! Ok - kann ja mal vorkommen.

Er hat dann noch die Trachten am linken vorderen Huf um etwa 1 cm gekürzt da er der Meinung war sie seien zu lang - rechts vorne konnte er nichts machen da er dort beschlagen war. Dann, etwa 3 Monate später fiel mir folgendes auf:


Der vordere linke Huf hat einen deutlichen “Knick” und bildet einen “Entenschnabel” nach vorn


Oktober 2016 - was ist das? Der Knick im Horn ist nur links so deutlich zu sehen

Ich habe alle möglichen Leute gefragt, zuerst den Tierarzt, meinen Hufschmied, Bekannte und erhielt von “keine Ahnung (Hufschmied) bis “das sieht aus wie ein Rehehuf” alle möglichen Meinungen, meistens aber “keine Ahnung”. Ich hatte auch keine Ahnung und war besorgt. Er kann unmöglich Rehe gehabt haben oder noch haben. Das hätte ich gemerkt!

Dann erinnerte ich mich, dass vor vielen Jahren eine Hufpflegerin und Barhuf”expertin” dem Pony seine hinteren Hufe (das ist saarländisch, glaube ich) mal fotografiert hatte. Sie sahen nicht so schlimm aus wie oben aber auch deutlich abgeknickt. Sie wollte die Fotos als Beweis für die schädliche Auswirkung von Eisen am Pferd. Aber warum sind dann jetzt die anderen Hufe gerade und gerade der wo kein Eisen drauf ist ist krumm. Und wieso haben dann alle anderen beschlagenen Pferde so etwas nicht? Mein Hufschmied meinte “das wächst raus” aber ganz sicher war er sich auch nicht.

 

Dann im Dezember 2016, wieder 2 Monate später wurde es deutlich - ja es wächst eindeutig raus.

Zweimal linker Huf im Okt. und Dez. 2016: hier kann man es eindeutig an der dunklen Linie sehen


Nach ein bisschen Nachdenken fiel mir dann der einzig logische Schluss ein: Der Huf wächst IMMER im gleichen Winkel gegen den Boden. Dieser wird bestimmt durch die Anatomie des Hufbeines und des Gangapparates. Deshalb muss man den Huf immer so beschneiden, dass er einen bestimmten Winkel zum Boden bildet, dieser Winkel dürfte von Pferd zu Pferd, wegen der unterschiedlich ausgeprägten Anatomie, unterschiedlich sein (etwa 55-58° sollte er, glaube ich, haben). Stellt man den Huf zu steil oder zu flach, dann gibt es beim Weiterwachsen einen Knick im Huf!

Durch das heftige einseitige Kürzen der Trachten Anfang Juli hat sich der Winkel, in dem der Huf gegen den Boden bewegt wird, verändert, ist zu flach geworden und ab da wuchs das Horn wieder im alten natürlichen Winkel weiter. Folge war der plötzliche Knick im Horn den man zeitlich ziemlich genau zurückrechnen kann. Zieht man die gleiche Strecke wie Dezember-Oktober noch einmal ab ist man ca. 1 cm vor dem Kronrand, da wo das neue Horn gebildet wird und ist zeitlich Ende August! Eineinhalb Monate vorher wurden die Trachten gekürzt. Wieso weiß das nicht jeder, der sich mit Hufwachstum und Hufmechanismus auskennen sollte?

Diese Erkenntnis erklärt dann auch das Phänomen, dass beschlagene Hufe oft unschön aussehen, in Wellen wachsen oder gar einen Entenschnabel nach vorne bilden wie auf dem obigen Bild von 2016 (beim unbeschlagenen Pferd) - das ist also kein Merkmal von ausschließlich beschlagenen Pferden wie Barhuf-Pfleger es gerne behaupten.

Einschub im Januar 2020

Warum sind nun beschlagene Hufe oftmals nicht so schön geformt wie die von Barhufpferden?

Das liegt einfach an den Abnutzungsperioden bzw. den Beschlagsintervallen. Ein Barhuf nutzt sich ständig beim Laufen so ab, wie er nachwächst. Die Tatsache, dass die Zehe mehr abgenutzt wird, kompensiert der Huf über das stärkere Zehenwachstum. Selbst wenn viel mit Hufschuhen geritten wird, ist es viel öfter möglich nachzufeilen und eine fließende Abnutzung zu simulieren. Bei beschlagenen Pferden ist dies jedoch nicht möglich da die Beschlagsperioden zwischen 6 und 8 Wochen liegen müssen und dazwischen natürlich keine Abnutzung und keine Korrektur erfolgen kann. Man könnte jetzt den Zeitraum des Beschlages verkürzen was aber zur Folge hätte, dass mehr Löcher die Hufwand perforieren und diese instabiler wird. Bei Pferden mit weichen Hufen (wie bei meinem) oder bei Verletzungen des Kronrandes, die dann in kleinen Rissen der Hufwand nach unten wachsen, ist das nicht sinnvoll. Die Problematik wird noch verschärft, wenn der Beschlag in schwierigem Gelände (Schlamm/Schnee/Geröll) vom Huf gerissen wurde und dabei Horn verloren ging. Dann kann unter Umständen der Winkel nicht mehr korrekt eingestellt werden da einfach kein Horn dazu vorhanden ist. Mehr wie bis zur Hufsohle kann ja nicht weggenommen werden! Die Folge ist eben ein heftiger Knick nach vorne wie auf dem oben abgebildeten Huf oder die Andeutung eines "Entenschnabels" wie auf dem folgenden Foto.


Abb.0: an diesem Huf sieht man die Wellen im oberen Hufbereich
und auch das Abknicken der Zehenspitze nach vorne

Abb.0:  dieses Foto hat seinerzeit in Foren, insbesondere von engstirnigen und militanten Barhufverfechtern, böse Kommentare erzeugt. Kommentiert wurde mit: "ein schlechtes Beispiel, das sich nicht als Werbung für den Beschlag erweist", "nach vorne gelatschter Huf mit dem ich nicht mehr reiten würde" oder "typisches Beispiel eines Hufes der, aus Kostengründen, vernachlässigt wurde" (nicht berücksichtigt wurde dabei auch die Tatsache, dass die Kamera einen starken Weitwinkel hatte, der perspektivische Verzerrungen erzeugt)! "Nach vorne latschen" würde bedeuten, dass das Horn, nachdem es im Bereich des Kronrandes gebildet wurde, in der Lage wäre sich zu verformen. Das ist jedoch unmöglich. Bei Hufen, bei denen so etwas durch zu lange Zehen, zu enge Eisen, o.ä. auftritt, ist die Folge ein Reißen der Hufwand. Ein Verbiegen oder eine Verformung ohne mehr Hufmaterial ist unmöglich, und Hufmaterial wird ja nur im Kronrand gebildet, also bilden sich senkrechte Risse. Das wäre tatsächlich Vernachlässigung!

Ein beschlagenes Pferd wird in den meisten Fällen keinen geraden Huf haben. Das hängt damit zusammen, dass der Huf im Laufe einer Beschlagsperiode von 8 Wochen ca. 15-19mm wächst und zwar Zehe und Trachten unterschiedlich schnell. Das heißt: Ein am Anfang der Beschlagsperiode richtig im Winkel gestellter Huf hat am Ende der Beschlagsperiode vorne ca.18mm mehr und an den Trachten vielleicht nur 5mm mehr Hufhorn. Damit hat sich natürlich der Winkel, mit dem der Huf auf den Boden trifft, erheblich verändert. Wird der Huf jetzt gerichtet und neu beschlagen hat er wieder den Winkel von vor 8 Wochen! Den Zeitpunkt an dem das erfolgt erkennt man am Bild (Abb.0) an den tiefen Wellentälern im oberen Bereich.

Um das zu verdeutlichen hierzu folgende Illustration:


Auf Abb.2 sieht man das Hufwachstum der letzten 8 Wochen - Zehe und Trachten in rot. Wie man sieht hat sich dadurch der Winkel mit dem der Huf auf den Boden trifft verändert (gestrichelt schwarz = alter Winkel), der ganze Huf kippt etwas nach hinten und wird flacher. In dieser Periode ist der Huf jedoch aus dem Kronrand nachgewachsen und es gibt hier keinen scharfen Knick wie auf der Illustration, etwas übertrieben dargestellt, sondern einen bogenförmigen Übergang wie auf der Abb.0 im oberen Hufbereich ersichtlich.

Abb.3: Der Wachstumsvorgang mit Bildung des Bogens im, sich neu bildenden, Hufhorn beginnt nun wieder von vorne und nach weiteren 8 Wochen haben wir das gleiche Ergebnis. Daher rühren die Wellen, die man auf Abb.0 sehr gut erkennen kann. Im unteren Hufbereich wurden diese Wellen vom Hufschmied gerade geraspelt, im oberen Bereich jedoch nicht.

Wenn dann noch eine generelle Stellungskorrektur (z.B. Kürzen der Trachten da sie zu lang scheinen (wie oben am Barhuf gezeigt), dazu kommt, kann dann Im Laufe der Zeit ein nach vorne gebogener Huf entstehen. Bei manchen Pferden tritt das stärker, bei anderen schwächer auf. Das ist nicht schön aber auch kein Drama da es eine völlig normale Folge des Beschlagens bzw. einer Stellungskorrektur ist.

Das alles ist sicherlich ein Nachteil von Beschlägen! Wenn jedoch ein barhuf laufen aus Gründen, die in der Laufleistung des Pferdes oder der Beschaffenheit des Hufes (zu weich oder stark fühlig) liegen, auf Dauer nicht möglich ist, muss das in Kauf genommen werden und führt auch letztlich zu keinerlei Nachteilen, wie man bei vielen älteren und beschlagenen Pferden sehen kann. Es gibt prinzipiell keine notwendigen Folgen, die Pferde laufen frei und locker, ganz im Gegensatz zu fühligen Pferden die ohne Schutz laufen müssen oder deren Hufschuhe scheuern, sie einzwängen und ihnen die Freude am Laufen nehmen können. Alles am Pferd muss ein ausgewogenes System bilden das sämtliche Anforderungen und Eigenarten mit einbezieht. Pauschale Urteile sind hier wenig hilfreich und zeigen nur wie beschränkt der Urteilende doch ist!


März 2017

Im Großen und Ganzen bin ich, als ehemals überzeugter Hufeisenreiter jetzt, nach 6 Monaten teilbarhuf, begeistert von den Veränderungen, die die Hufe in dieser Zeit gemacht haben. Die Hufsohle ist jetzt wunderschön ausgeprägt, vorne bekommt er die "Mustang-roll", das Horn sieht gesund aus und hat keine Risse mehr. Pony läuft allerdings nach dem Ausschneiden immer noch sehr fühlig aber mit Hufschuhen ist davon nichts zu merken und wahrscheinlich lässt das ja noch nach und es muss auch nicht mehr so häufig ausgeschnitten werden wie vorher da er 70-80% der Zeit ja barhuf läuft und nur auf den Ausritten einen Schutz bekommt. Man hat mir anfänglich gesagt, dass es mindestens 9-10 Monate (eine komplette Wachstumsperiode) dauert bis die Hufe ihre normale Härte erreicht haben. Soweit sind wir ja noch nicht Es sind jetzt 6 Monate vorne rechts, 9 Monate vorne links und 1 Monat hinten.... 

Obwohl es in den letzten 6 Monaten teilweise ein Drama mit den Hufschuhen war. Im Sommer der ständige Blick - sind die Schuhe noch da, das Drama mit den hinteren Hufen wo kein Hufschuh auf Dauer halten wollte, im Winter das Saubermachen bei Eiseskälte, die Probleme mit den Klettverschlüssen. Es ist ein bisschen Gewöhnung und bei Schlamm im Winter etwas mühevoll mit dem Saubermachen der Hufschuhe aber ich werde dabei bleiben, denn die Vorteile für's Pony überwiegen. Wenn man nur die Beine betrachtet - er hatte seit Jahren deutlich ausgeprägte Gallen vorne und hinten. Diese haben sich erheblich zurück entwickelt. Sie haben ihn zwar nicht gestört, waren ganz weich, einfach nur eine Ansammlung von Bindegewebsflüssigkeit aber es war eine deutliche Störung des "Normalzustandes". Der Sommer mit seinen vielen und längeren Ritten steht zwar noch aus aber ich bin jetzt davon überzeugt, dass die Gallen von den harten Eisen und dem Ausbremsen des Hufmechanismus herrühren. Durch das Zusammennageln der Hufwände können diese sich nicht mehr ausgleichend bewegen - durch die ausschließliche Belastung des Hornrandes werden die Stöße härter, die "Pumpfunktion" des Hufes ist ausgeschaltet und die Flüssigkeitsansammlung in den Beinen nimmt zu, besonders nach den Ritten beim darauf folgenden Stehen/Ruhen. Das heißt aber offensichtlich nicht, dass ausschließlich das Stehen/Ruhen schlecht ist, denn jetzt steht er genauso lang!

Ich habe den Eindruck, Pony fühlt sich in seiner natürlichen Form sehr viel wohler  - das mag auch wieder subjektiv sein aber dann ist es eben so. Das Laufen auf Schnee ist völlig problemlos und mindestens so griffig wie mit Eisen, das Aufstollen entfällt jedoch völlig, auf Schotter, auf Teer ist der Gang viel weicher, der Grip auf Felsen ist erheblich besser als mit Eisen und ich bemerke keinerlei Zögern beim Laufen - kurz und gut, wenn die Dinger halten dann ist das die Art Hufschutz mit der ich die letzten Jahre meines Ponys versüßen möchte!

Anfang Mai 2017


Habe heute die Hufe neu gemessen und eine deutliche Veränderung der Hufbreite festgestellt. Die Hufe hatten zu Beginn der Barhufphase
vorne rechts: 120/105 mm (L/B). Jetzt nach 7 Monaten messe ich 120/115 mm, (vorne links habe ich bewusst wegen der o.g. Problematik nicht gemessen).
hinten: hier war das Maß zu Beginn 120/100, jetzt messe ich 120/105.

Also haben die Hufe ohne Eisen um 5-10mm in der Breite zugelegt! Das heißt entweder, dass die Eisen den Huf in der Breite eingeschränkt haben, oder dass der Huf mit Eisen die Breite nicht benötigte um zu funktionieren.

10.Mai 2017

Nun habe ich folgendes Phänomen: Die neuen Renegade-Hufschuhe für vorne sind etwas zu groß, da die kleinere Größe wegen der Hufbreite nicht mehr passt. Dadurch ist im hinteren Bereich des Schuhes gut 4mm auf beiden Seiten Zwischenraum zwischen Huf und Hufschuhwand. Jetzt dreht der Schuh ziemlich schnell bis der Huf an die Seitenwand anstößt. Komischerweise aber nur der linke. Es liegt nicht an den leicht zu breiten Hufschuhen, denn der rechte ist gleich breit und der dreht überhaupt nicht. Also muss der Grund ein anderer sein. Beim genaueren Hinschauen sehe ich die Ursache: Der Huf ist völlig unsymmetrisch - was ist das schon wieder. Der letzte Bearbeitungstermin ist jetzt ca 5 Wochen her, da war noch nichts (?) zu sehen.

 

 

vorderer linker Huf (links=außen, rechts=innen)
links: Der Ballenhalter sitzt weiterhin mittig auf den Ballen, die Schuhschale dreht sich jedoch
nach der Asymmetrie des Hufes, der vorne rechts seine dickste Stelle hat so lange bis die Drehung dann durch die Hufschuhwand gestoppt wird

rechts: hier sieht man die vor ca. 7 Wochen weggebrochene Eckstrebe (weiße Ellypse)
ganz deutlich die Asymmetrie des linken Hufes mit der verschobenen neuen Symmetrieachse von vorne rechts (auf dem Bild: unten) nach hinten links (oben)
so muss der Hufschuh drehen!

Etwa 2 Wochen vor dem letzten Termin, also Ende März 2017,  brach zunächst ein Teil der äußeren Eckstrebe aus der Hufsohle des linken Vorderhufes, ich habe mir damals nichts dabei gedacht da der Huf relativ lang war und ich vermutet hatte, dass das normal ist. Ich habe es noch nicht wirklich gelernt auf solche Dinge zu achten. Früher war für die Hufe meines Ponys der Hufschmied zuständig. Jetzt, in Anbetracht der Asymmetrie und der Vorgeschichte ist jedoch klar, dass das durchaus keine normale Abnutzung war. Casanova wurde ja am linken Vorderhuf außen im Juni 2016 vernagelt. Die falsch gesetzten Nägel (2 aussen und 1 innen) haben damals, durch Ausblutung, Druck im Huf erzeugt wodurch er stark lahmte. Diese Verletzung und/oder eine evtl. nachfolgende Entzündung (?) haben dann das kontinuierliche Hufwachstum gestört und eine Schwachstelle geschaffen die, als sie bis zur Sohle herausgewachsen war (9 Monate nach dem Vernageln),  dazu geführt hat, dass die Sohle anfing sich abzulösen. Ganz wie bei uns, wenn wir uns auf den Daumen hauen und dann der Daumennagel mit Störung (Loch) rauswächst. Ist das Loch groß genug wird der Daumennagel irgendwann abgehen.

 

Wie diese Asymmetrie zu Stande kam, ist bei näherer Beobachtung des Abfußens ohne Hufschuhe deutlich zu sehen. Er hat beim Abfußen den Huf schräg belastet weil er an die Stelle des herausgebrochenen Sohlenteiles schonen wollte? Er fußt mit nach innen gedrehter Spitze ab und belastet dabei die noch gesunde Eckstrebe sowie die äußere Spitze mehr als die beiden Gegenstücke. Dadurch laufen sich äußere Spitze und innere Trachten mehr ab und es kommt zur Asymmetrie des gesamten Hufes.  Ich habe schon bemerkt, dass er seit einiger Zeit wieder leicht fühlig ging, jedoch ist das bei ihm fast normal - das hat er auch mit Eisen manchmal gemacht. Ich habe es auf die dünnen flexiblen Sohlen der EQFU-Hufschuhe zurückgeführt, die er die ganze erste Zeit getragen hat.

Also: Er belastet den äußeren (rechtes Foto links) Zehenbereich und die inneren (rechtes Foto rechts) Trachten des Hufes stärker, dadurch wird das Horn dort stärker abgenutzt, aber wenn man oben bei dem Foto von der Symmetrieachse des Strahls ausgehend die Dicke des Hufes anschaut, dann ist der gesamte innere Teil des Hufes (ausgehend von der Strahlmitte) 13% schmäler als der äußere Teil und wieso zieht sich diese Asymmetrie durch den ganzen Huf bis fast zum Kronrand? Das erklärt sich mir noch nicht vollständig?

Eine weitere denkbare Möglichkeit ist folgende: Er läuft normalerweise auf allen Hufen mit leicht nach innen gestellter Zehe aber nur der ehemals "kranke" Huf nutzt sich übermäßig ab und hat sich dadurch verformt. Vielleicht ist das, zum Zeitpunkt der Verletzung, neu gebildete Horn, weicher als normalerweise und deshalb läuft sich der Huf schief ab? Das wäre auch eine weitere Erklärung für die, 10-11 Monate nach dem Vernageln, auftretende auffallende Fühligkeit, nachdem er eigentlich bereits im Januar/Februar vorne keine Probleme mehr mit rauen Wegen hatte.

Da der Huf dringend gekürzt werden muss wird sich das vermutlich danach erledigt, zumindest stark abgemildert haben. Denn die Sohle dürfte dann wieder auf Bodenniveau geschlossen und intakt sein. Es ist äußerst schwierig einen Hufpfleger zu finden der sich auf Barhufpferde spezialisiert hat und noch neue Pferde nimmt! Vielleicht muss ich zukünftig entweder auf kleinen täglichen Ausritten mehr ohne Schutz reiten oder ich muss alle paar Wochen selbst den Tragrand der Hufe bis zur Hufsohle abraspeln? Ob ich mich das traue?

31.05.2017: In den letzten Tagen hatte sich immer mehr loses Horn von der Sohle entfernt. Zuletzt war die Sohlenschwiele im Zehenbereich wesentlich kleiner als auf dem Foto oben und im hinteren Bereich unterhöhlt - man konnte sehen, dass alles sich ablösen wird.  Gestern wurden die Hufe neu ausgeschnitten. Die komplette, alte Sohle des linken Vorderhufes ist jetzt weg, darunter sieht das Horn wieder sehr gut aber weich aus. Das Hufmaß ist jetzt wieder 120/112mm (L/B). Durch die Bearbeitung des Hufes ist die Asymmetrie besser geworden, jedoch im oberen Bereich noch nicht ganz verschwunden (wie auch). Demzufolge ist das Drehen des Hufschuhes wesentlich besser, aber noch nicht völlig verschwunden. Der Huf ist zwar im unteren Teil des Tragrandes jetzt symmetrisch, jedoch weiter oben noch leicht schief, durch die ungleiche Belastung hat sich der gesamte Huf verformt.

Es ist jetzt genau 10 Monate her seit er vernagelt wurde und die Ausblutung in den Huf hatte - was für ein Ausmaß eine solche Verletzung für so viele Monate erreichen kann. Also (wenn ich es verhindern kann bzw. die Hufschuhe mein Reitpensum mitmachen) kommen in mein Pony sicher keine Nägel mehr ...


  • fairer Weise muss man aber auch sagen, dass diese Problematik nicht so heftige Auswirkungen haben würde, nicht so extrem behindern würde, hätte er weiterhin Eisen getragen - allerdings wäre sie vermutlich auch gar nicht erst entstanden.

  • weiterhin muss ich fairerweise auch den Hufschmied zitieren, der nicht der Meinung ist, den Huf vernagelt zu haben. Er steht heute auf dem Standpunkt, dass Casanova einen Abszess im Huf hatte und dann das Nageln in den Abszess zur Lahmheit geführt hat.

    Ich sehe das jedoch nicht so. Casanova ist in den letzten 15 Jahren 3 Mal vernagelt worden - jedes Mal innerhalb der letzten 2-3 Jahre vom gleichen Hufschmied und es gab keinerlei Anzeichen von Lahmheit oder Untaktmäßigkeit, keinen Unfall oder Prellung des Hufes vor dem besagten Beschlagstermin! Des weiteren ist kein Eiter aus dem Huf ausgetreten nachdem die Nagellöcher 2-3cm tief geöffnet wurden. Ein Abdrücken des gesamten Hufes nach dem Ziehen des ersten Nagels (innen) ergab keine Reaktion auf der äußeren Hufseite, beim Ziehen der äußeren Nägel  nach etwa 8-9 Tagen, waren sie mit einer dunkelroten fast schwarzen Flüssigkeit (meines Erachtens mit Wasser und Dreck vermischtes Blut) benetzt.  

    Ich habe mir jetzt einen Hufschmied gesucht der, insbesondere mit Barhufpferden, mehr Erfahrung hat und mich da hoffentlich besser unterstützen kann.


Dezember 2017
: Im Verlauf der letzten Monate bin ich viel unterwegs gewesen, von Hochgebirgsritten bis Wanderritten durch die Eifel, Sachsen, Tschechien, die Toskana, haben die Hufe genug zu tun gehabt. Das Horn sieht nach wie vor sehr gut aus, die Hufsohle ist jedoch immer noch empfindlich, so dass ein Laufen ohne Hufschuhe nicht möglich ist.

Leider habe ich jetzt seit Kurzem Probleme mit Strahlfäule an drei Hufen. Es ist für mich völlig unverständlich. Casanova hatte noch nie Strahlfäule. Angefangen hat es vorne links also an dem ehemals vernagelten Huf, dann vorne rechts und hinten rechts. Der Strahl hat tiefe Rillen, die mittlere Strahlfurche ist stark vergrößert und der Hufschmied sagt lapidar "Das liegt an Bakterien die durch Kot und Urin in den Huf eindringen und diesen zersetzen". Nur, seine Haltungsbedingungen haben sich in den letzten 10 Jahren nicht geändert, er steht auch nicht im Offenstall/Laufstall, nicht in Matsch und Modder und seine Box ist überwiegend trocken - also liegt es ja wohl nahe, dass der wahre Grund, warum er ausgerechnet jetzt Strahlfäule bekommt, ein anderer ist?!

Was ich geändert habe in den letzten 2 Monaten: Durch die Tatsache, dass er trotz barhuf seit 15 Monaten, immer noch fühlig ging (selbst mit Hufschuhen geht er nicht völlig klar, ohne Hufschuhe ist reiten fast nicht möglich) habe ich ihn öfter ohne Hufschuhe als freies Pferd mitlaufen lassen in der Hoffnung die Hufsohle und der Strahl würden abgehärtet. Das hat eine Weile ganz gut funktioniert, er hat sich die weichsten Untergründe gesucht, ist aber auch von alleine auf Schotterwegen mit kleinen Steinchen an der Oberfläche angaloppiert.

So geht es jetzt natürlich nicht weiter. Ich kann nur vermuten, dass durch kleine Verletzungen, Prellungen des Strahls beim Reiten ohne Hufschutz, Risse entstanden sind, der Algemeinzustand des Strahls geschwächt wurde und dadurch die Fäule entstehen konnte. Das kommt mir seltsam vor aber ich sehe einfach keine anderen Ursachen. Immerhin ist die Hufsohle und damit auch der Strahl bei meinem Pony seit gut 12 Jahren überhaupt nicht belastet worden. Dass dann eine Eingewöhnungszeit notwendig ist ist eigentlich logisch und permanentes Reiten mit Hufschutz scheint diese "Empfindlichkeit" nicht, oder nur langsam zu verbessern.

Ich behandle jetzt die Huffäule mit täglichen leichten Jod-Spülungen (es hat sich rasch gebessert, der Strahl ist trockener geworden) und ich gehe nur noch mit Hufschutz ins Gelände, auch wenn er ohne Reiter mitläuft.

Die Aussage des Hufschmiedes: "Das Fühlig-gehen kann nicht mit der Strahlfäule zusammenhängen, Pferde haben dort kein Schmerzempfinden!" möchte ich in Frage stellen denn die Natur hat den Lebewesen das Schmerzempfinden gegeben um sie zu zwingen das betroffene Körperteil zu schonen, damit es ausheilen kann. Es kann mir niemand erzählen, dass der, doch enorm wichtige, Strahl bei Pferden davon ausgenommen ist.

April 2018

Jetzt nach der, doch überwiegend, feuchten und kalten Jahreszeit hat sich der Zustand des Strahles sehr gebessert. Nach den anfänglichen Jodspülungen hatte ich für 6-8 Wochen täglich, dann nur noch alle paar Tage mit "Keralit Strahl-Liquid" behandelt, kleinste Mengen in die Spalte zwischen den Ballen gegeben, und die hinteren Hufe sehen inzwischen sehr schön aus. An den vorderen Hufen verkleinert sich der Spalt zwischen den Ballen, alles ist trocken und frei von "Fäule", die Fühligkeit ist weg.

Update Dezember 2018

Ich bin durch mit dem Thema "barhuf". Der Grund: zu viele km und zu viele Probleme mit Hufschuhen. (siehe hier). So etwas geht einfach auf Dauer nicht wenn man so viele km reitet wie ich und unter den Bedingungen. So lange die Hufschuhe neu sind geht es leidlich, wenn sie etwas älter werden kann man es einfach vergessen.

Dazu kommt, dass mein Pony seine Fühligkeit in über 2 Jahren nicht abgelegt hat und ich beim Reiten, selbst mit Hufschuhen, immer das Problem habe, dass er sich quälen muss, zumindest im Galopp muss ich jeden Schritt heraustreiben. Man merkt ihm deutlich an, dass er nicht laufen möchte. Das ist nicht das was ich möchte.

Zudem haben sich Duplos als ausgezeichnete Alternative zu Eisenbeschlag herausgestellt, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet, wodurch ich viele Nachteile des Beschlagens vermeiden kann.

 

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